Vor kurzem war ich auf einem meiner sporadischen Ausflüge in den entrischen
Gründ des Internets, in the Darksite of the Web.
Wie ich jüngst den Sites von Netway und Kurier ansehen konnte, haben sie sich
vor kurzem auch eine Frame-Oberfläche zugelegt.
Resümee - 1 Jahr Electronic Journal Literatur Primär im Web Space
Ich nehme die jüngst erfolgte explizite Erwähnung des Electronic Journal Literatur Primär in Yahoo Deutschland
zum Anlass, eine inhaltliche Eigendefinition des Journals zu versuchen sowie ein Resümee des ersten Jahres
unserer Web-Präsenz zu ziehen.
Zuwenig wahrgenommen erscheinen mir die unterschiedlichen inhaltlichen Ebenen. Aus vereinzelten Mails lässt
sich jedoch schliessen, dass auch dieser Kontext erkannt und goutiert wird.
Es ist zu hoffen, dass der Entwicklung des Electronic Journals Literatur Primaer weitere Dauer gegönnt
ist. Ich möchte an dieser Stelle den Autor(inn)en danken, die ihre Beiträge zur Verfügung gestellt haben.
Herzlichen Dank im Besonderen an Marcus Zelezny, der in grosszügiger und freigebiger Weise seine programmtechnischen und gestalterischen Kenntnisse sowie Fähigkeiten eingebracht hat und mit der derzeitigen Oberflächengestaltung vorbildliches geleistet hat.
Ebenso Dank Reinhard Handl, der die erste Version des Journals gestaltet hat und dem THING-Team
für seine freundschaftliche und kollegiale Unterstützung.
Die im Electronic Journal versammelten Essays des Autors zu Neuen Medien und die Admonter Texte (Barocke Informationsverarbeitung und Präsentationsformen) erscheinen im Winter 1996/97 als Hardcopy: Buch
Der blinde Fleck
Die Österreichische Galerie zeigt bis 3.November des Jahres im
Augarten Atelier Arbeiten von 10 Künstler(n)(innen), die auf
eigenes Bestreben und nicht nach Auswahl eines Kurators zusammengefunden
haben.
Christoph Nebels Humus Sublimator steht unübersehbar und sperrig im Raum.
Den direkten Zutritt verwehrt eine Barrikade aus Sandsieben, Vorschlaghämmern,
Schneidzangen, ein Haublock und allerlei Gerümpel in Abfallwannen.
Zuerst war mir die Nebelsche Objektanhäufung zuwider. Aber ich muss zugeben, es macht Sinn. Und der
Sinn lässt sich auch nicht so leicht vergessen.....
Eine andere interessante Metapher hat Engelbert Erben mit seinen unendlich fortsetzbaren
Siebdrucken, die die Struktur der LEGO Bausteine, das immer gleichbleibende Verbindungselement
mit dem eingeschriebenen Markenamen, der dann mittels Retusche sporadisch zu .EGO
verkürzt wird, entwickelt. Auch hier liesse sich über das „platonische“ Verhältnis von
Idee und Ichbezogenheit sowie Ausblendung von Wirklichkeit einiges gedanklich entwickeln.
Licht ins Dunkel
Dabei habe ich auch die Website jener Organisation aufgesucht, die sich nach
einer nordischen Stadt nennt.
Dort habe ich an prominenter Stelle einen von den zuständigen Herren empfohlenen
Link gefunden, der mich wieder zu einem österreichischen Produkt geführt hat.
Und da fand ich alles versammelt, was so an Rechtsradikalität, Rassismus und
Neo Nazitum denkbar ist in Form von Buch und Schrifttumsbewerbung,
einer Ansammlung von Beschimpfungen aller demokratischen Orientierungen
und eine Versammlung "unkorrekter" Links, die mir den Atmen geraubt hat.
"Unkorrekt" deswegen von den Herren selbst gewählt, weil die Hauptstossrichtung
ihres derzeitigen Kampfes gegen die Sprache der Political Correctiness, gegen das damit
verbundene Menschenbild und wider die entsprechenden Menschenrechte gerichtet ist.
Und selbstverständlich ist die Rechtsradikal-Page und die zugehörigen Dateien auf
einem US-Server zu Hause.
Wie lange werden die USA noch zusehen, wie ihre europäischen Partner und Freunde
von US Territorium aus via Internet rechts - ideologisch & extremistisch & demokratiefeindlich unterwandert werden ?
Ich finde es eigenartig, wenn die Gegner des Humanismus und der Freiheit im Namen
der Freiheit agieren dürfen.
Aus bekannten Gründen nennen wir weder Namen der Herren (die aller Wahrscheinlichkeit
nach Decknamen sind) noch ihre Web-Adressen. Die allerdings sind echt.
Info Design macht Schule
Daran freut uns ausserordentlich, dass sie eine ähnliche Oberflächen-
und Steuerungsstruktur wählten, wie wir sie vor mehr als einem
halben Jahr entwickelt haben und unseren Usern seitdem anbieten.
Ehrenvoll für uns, dass den grossen Elephanten partout nichts
besseres eingefallen ist.
Yahoo lenkt in seiner Mitteilung den Blick von den "schnöden irdischen Niederungen, hin zum Schöngeistigen" und meint "mittlerweile hat das deutschsprachige Internet auch eine Menge Kultur zu bieten" und führt dann im weiteren das Electronic Journal Literatur Primaer an.
Die gelungene Aufmachung wird allenthalben gelobt und das qualitätsvolle Angebot hervorgehoben, wie Sie sich
unter "Meinungen und Kommentare" überzeugen können. Auch die österreichische Herkunft und der
Bezug zu österreichischer Kultur wird vermerkt. Man ist im Laufe des nunmehr einjährigen Bestandes auf das Electronic Journal Literatur
Primär in der unüberschaubaren Fülle der Websites aufmerksam geworden. In den letzten Monaten werden
kontinuierlich um die 8000, im November 12000 Zugriffe vermerkt.
Das Journal ist als hybrider Inhalt angelegt. Einerseits werden traditionelle Literatur- und Kunstformen angeboten, und andererseits versuche ich sowohl als Autor wie auch als Herausgeber der Entwicklung der Neuen Medien gerecht zu werden. Einmal in Form von kultureller Reflexion, sowie in der Präsentation und der Forcierung
programmunterstützter Darstellungsformen. Letzteres ist in ersten Konturen zu erkennen und ist jedoch mit
mit hohem Arbeits- und Zeitaufwand verbunden, und letztendlich eine Frage der Finanzierung.
Einige der Textpräsentationen, wie etwa der Colibri-Text von Helmut Eisendle, nutzen Linkstrukturen , die einen nicht liniearen Zugang zum Text herstellen.
Einige digitale Applikationen sind auf der Artsite zu finden, die programmtechnisch von Marcus Zelezny
gelöst wurden. Ich möchte an dieser Stelle auf seine virtuellen Skulpturen hinweisen, deren Substanz aus reinem Datenprogramm besteht.
Im weiteren versuche ich in der Linkgestaltung im for.um, im virtuellen Symposion FARO 21, Konturen des
Web Spaces nach zu zeichnen, die über die mögliche Entwicklung des Webs Auskunft geben.
Ich erwähne hier den Video Link ins Thing Büro sowie die Erdbild & Himmelschau Links als Beispiel. Alle führen direkt und automatisch zu Bildmaterialien, die aktuell aus der
Wirklichkeit gewonnen werden. Einmal die schlichte fast Real Time Ansicht eines Tele-Arbeitsraumes
, zum zweiten das Meteo Sat Bild , die vierteltägig aktualisierte Aufsicht auf unseren Kontinent und zum dritten die Adressen von Satelliten und virtuellen Observatorien, die direkt ins All führen. Diesen Link-Cluster finden Sie unter Erweiteres Raumbewusstsein - Mediale Aussichten in der Rubrikneue.medien.Selektierte Links sind also nicht nur Informationsangebot, sie können auch eine Darstellungstruktur beinhalten.
Literarische und theoretische Referenzen dazu finden sich auch im Gedicht Zyklus Land-Sat von Lisa Fritsch, in meinem Humbolt Text und in den Essays, die in der Rubrik neue.medien abgelegt sind. Das sind schlichte Beispiele einer sich anbahnenden visuellen Struktur, die über das geläufige Publishing und Präsentieren hinausgehen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind jene Texte, die sich theoretisch analytisch mit bestehenden Speichermedien
und deren historischer Entwicklung beschäftigen. Ich erwähne hier das Admonter Programm und den Text
Wort, Schrift und Druck. Multimediale bzw. Hyper Text orientierte Umsetzungen sind geplant bzw. in
Arbeit.
Inhaltlich folge ich in der Weise des Herausgebens keinen ideologisch, formal einheitlichen Vorstellungen.
Es können gegensätzliche Positionen zu Wort kommen, die jedoch als solche auch
erkenntlich zu sein haben. Nur so kann sich Pluralismus der verwaschenen Form des Allen und Jeglichen entziehen. Querverbindungen inhaltlicher Art gibt es einige im Journal. Darin sehe ich eine wesentliche Herausforderung an meine Aufgabe als Herausgeber.
In diesem Zusammenhang möchte ich feststellen, dass Informationsdesign und Dateien Strukturierung ein wesentliches Segment der Arbeit im Neuen Medium darstellt.
Dank den öffentlichen Geldgebern, die den derzeitigen Status sichern. Und Dank auch den Usern, die die Telefongebühren bezahlen, um uns zu ereichen. In diesem Wege nimmt die öffentliche Hand zumindest jene Summe wieder ein, die sie hiefür hergegeben hat.
Das Babylon Projekt - Vorankündigung
Das Babylon Projekt
©Franz Krahberger
Ös 210,-, / DM 32,-/sfr 29
TRITON VERLAG, Wien
ISBN 3-901310-64-9
Vorbestellungen werden via E-mail des Electronic Journal Literatur Primär
gerne entgegengenommen.
Ich habe mir diese Ausstellung mit der Erwartung angesehen, mehr über den
blinden Fleck zu erfahren, als es etwa die physiologische beziehungsweise
sehtechnische Grundlage zulässt.
Und tatsächlich haben sich einige der Ausstellenden auf einen Kontext eingelassen,
der über das selbstgenügsame Bild hinausweist und in Kontakt mit ethischen,
zwischenmenschlichen und auch ökologischen Fragen tritt.
Zerschlagenes Flaschenglas, Keyboards, Computerteile, alte Schriften und Bücher
sowie eine Menge Arbeitsgerät, Vorschlaghämmer, Schneidzangen, ein Haublock und diverses
mehr bilden ein geschlossenes Ensemble angehäuften Zivilisationsmülls.
Die parallel dazu angeordneten Sandsiebe bilden gegenüber dem streng gestalteten
Humus Sublimator ein Art Diaphragma, eine Schnittstelle, die nur von Wenigem
des vorgelagerten Mülls überwunden werden kann.
Es ist also nur Natürliches in die Natur recycelbar.
Auf die Diskussion, ob dieses gesamte Environment nun Kunst, Anti-Kunst oder
Nicht-Kunst wäre, lasse ich mich nicht ein.
Die Nebelsche Installation ist eine traurige aber schlagkräftige Metapher über eines unseres grundlegendsten
Überlebensprobleme. Unser Kultur- bzw. Zivilisations-Out Put, und nicht unser
künstlerische Gestaltungswille, ist schlicht und einfach in den natürlichen Kreislauf
nicht mehr einfügbares Material, dass nur in eine Richtung recycelbar ist, bis hin
zum völlig gleichförmigen, nicht mehr strukturier-oder gestaltbaren Endmüll.
Die Entropie ist ebenso wie die Zeit irreversibel gerichtet.
Christoph Nebel hat sich jeglicher Ästhetik und jeglichen Kunstwollens enthalten.
Nur so ist es gelungen, eine starke Metapher herzustellen, die auf tiefere Zusammenhänge
verweist. Eine Metapher allerdings, deren Lesart sich nicht leicht erschliesst.
Nach Beendigung der Ausstellung wird Nebel die Materialien, die er zum Teil von dort
hat, auf die Müllhalde bringen. Das temporär begrenzte Werk ist dann wieder aus dem Blickfeld des Betrachters.
Die Müllhalde jedoch bleibt und wächst.
Aber vielleicht kommt da ein Museumsdirektor auf die Idee, dass wär doch was fuer
die Sammlung... der Spoerri hat doch auch mit leergegessenen Tellern, leergetrunkenen
Gläsern und Flaschen, zerknüllten Servietten und vollgefüllten Aschenbechern.....So hat sich der Nebel
das aber nicht gedacht.
Und Nebel setzt damit konsequent die Linie, die er im MAK mit dem vorübergehend
öffentlich rechtlichen Erholungsraum mit Sauerstoff begonnen hat, fort.
Bezogen auf Nebel stellt Erben die Oberfläche der „Weisswaschgesellschaft“, die ihren
Müll überblendet, blindsüchtig ausblendet, her.
Arye Wachsmuth metamporphisiert mittels Bildbearbeitungsprogrammen die
werwölfische Seite der Menschen, und meint damit laut Katalog Kolleg(inn)en,
die allesamt nicht in der Ausstellung vertreten sind.
Alles weitere sehen Sie vor Ort.