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Selbstliebe
Wenn ich mich schon kenne, besser als andere sich kennen, muß so etwas wie Freundschaft zu mir möglich sein. Nicht gerade Liebe, Selbstliebe, nein, Freundschaft, eine aufrechte Freundschaft.
Andere, denen ich nie begegnet bin, begegnen werde oder begegne, können auch keine Freundschaft mit mir schließen.
Ich treffe mich täglich, sehe mich täglich, rede mit mir, spüre mich täglich. Darf ich mich nicht lieben ?
Bin ich eine Ausnahme ? Sei`s wie es sei, mir zu begegnen, ist keine Überraschung. Es ist etwas Gewöhnliches, eine tägliche Gewohnheit. Schließlich weiß ich, wo ich wann, warum hinlaufe; zur Straßenbahn, durch den Park, zu den Behörden, irgendwohin, um etwas anzuschauen oder etwas einzukaufen. Dieses tägliche Zusammensein fällt mir tatsächlich nicht mehr auf. Weder unangenehm, nicht einmal als freudige Überraschung. Ja, sympathisch bin ich mir schon. Nicht immer.
Vielleicht morgen wieder. Einmal.
Aber heute ?
Selbstliebe, nein. Oder doch. Warum nicht ?
Ich werde plötzlich müde und wünsche mir, nicht mehr weiterzudenken, sondern das walten zu lassen, was mir der Schlaf schenken würde, wenn ich mit geschlossenen Augen all das, was über mich gesagt wurde und zu sagen ist, vorüberziehen lasse wie einen Windhauch am taufrischen Morgen eines Tages.
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