e.journal : [ Inhalt ]
bü.cher :
[ Inhalt | Colibri | Schmerz]
<·
Schmerz
Was mich verletzt, ist das Verlorene, eigentlich müßte ich sagen, das Vorgetäuschte oder das, was ich nicht weiß. Ein Gefühl der Schmerzes ist dabei nur ein Begriff. Es ist ein Zeichen, das mich aufrecht hält. Wielange, ist unklar. Nach Pausen fällt es über mich her. Ich weiß nicht, ob Schmerzen sich nicht abnützen, schnell abnützen oder ob die Pausen unendlich werden. Aus einem Zufall. Es gibt fast nichts, was wieder aus dem Gedächtnis auftaucht.
Was mich verletzt, ist die Gleichgültigkeit. Meine. Ich weiß, es ist ein kleiner Schmerz, aber irgendetwas, was mit dem Begriff zu tun hat. Angst Sicher. Wenn nicht mehr bleibt als die Unsicherheit diesem Gefühl oder diesem Begriff gegenüber, ist es auch schon etwas. Es ist keine Kälte, eher eine gleichgültige Ironie dem Erleben gegenüber. Was soll es auch, die große Verletzung? Es hält mich etwas an sie, indem ich auf die möglichen Schmerzen warte.
Was mich verletzt, ist eine Anzahl von bedeutungslosen Schmerzen. Alle haben zurecht etwas anderes im Kopf und im Gefühl.
Was mich verletzt, ist - wie es scheint - daß ich mein Leben an einen Punkt gebracht habe, daß kleine Stiche mich aufgeweckt haben aus meinem melancholischen Schlaf. Ich verdanke ihnen mehr oder weniger, daß ich jetzt über meine Verlorenheit Bescheid weiß, dieses nackte Verlorensein meines Körper. Da ist mir jeder andere gut genug, um Erinnerungen zurückzuholen. Sich Verirren im Ich und Verlieren im anderen, haben mir Schmerzen verursacht.
Was mich schmerzt, vermittelt die Verletzung nicht. Die Erinnerung ist ein fremdes Gefühl, das mir gut tut. Vielleicht auch nur ein schmerzvolles Gefühl, dem man einige Überraschungen zumuten kann. Dieses ahnungslose Ziel, von dem ich nichts weiß, hält mich aufrecht.
Was mich schmerzt, ist meine Fähigkeit, den Schmerz zu ignorieren oder zu verlieren wie einen Gegenstand, den man wo liegengelassen hat. Natürlich gehört dieses Verlorenwerden zu meinem Selbstverständnis. Zumindest zu meiner egozentrischen Koketterie. Ich weiß dies, ohne es schon zu sein, ich weiß, nun bin ich neuerdings verloren worden, verloren gegangen. Geschehnisse ohne Bedeutung halten mich aufrecht. Und dieses Vorhandensein spielt keine, keinerlei Rolle für mein Umgehen mit anderen Menschen. Nichts geschieht. In diesem wunderbaren Irrtum gehört es mir, das Leben. Und der Schmerz auch.
Was mich schmerzt, ist die tröstende Sache, daß kein anderer mein Leben aushalten würde. Ich folge ihm. Einer Phantasie, es ist auch eine meiner Phantasien. Es gibt die Verletzung eigentlich nicht. Das hält mich am Leben.
Was mich schmerzt, ist die Tatsache, daß der Aggressor nichts von mir, von meinem Leben weiß und nichts von meinem Leben, dem bisherigen, dem gegenwärtigen, dem zukünftigen wissen will. Er kann sich beweisen und damit eine Bindung zu mir, wenn die Gefahr besteht mich zu verletzen und ich es nicht vergessen werde. Übrig bleibt eine unbekannte Geschichte eines Lebens, das mir begegnet ist.
Was mich schmerzt, ist das Bewußtsein, daß ich kein Verhältnis zu Verletzungen habe, sondern eine Bindung , die von Angst bestimmt ist .
·^·